Es ist ein beeindruckendes Schauspiel. Jedes Jahr am 21. Juni. Dann brennen die Berge, dank eines mittelalterlichen Brauches, sprichwörtlich rund um Tirol. Auch am Patscherkofel wurde die Tradition in diesem Jahr am Samstag (23. Juni) wieder gebührend gefeiert

Es ist kalt, eigentlich viel zu kalt. Dabei haben wir Juni und die Temperaturen sollten längst dem Sommerruf folgen, zumal wir die heiße Jahreszeit gerade in diesen Stunden offiziell willkommen heißen wollen. Aber wir sind in Tirol, da kann ein Kälteeinbruch dann schon einmal vorkommen. Gerade heute ist es ohnehin noch eher zu verkraften, rund um uns hüllen schließlich viele Feuer die Nacht in einen sanften und beruhigenden Lichtschimmer. Es ist Sonnwendzeit. Wie jedes Jahr um den 21. Juni. Der mittelalterliche Brauch wird im Heiligen Land Tirol noch immer gebührend gelebt, auch oder vor allem am Innsbrucker Hausberg. Pünktlich wenn der längste Tag auf die kürzeste Nacht des Jahres trifft, wird der Sommer feierlich empfangen. Kalendarisch mag das zwar seit zwei Tagen der Fall sein, ein Blick auf die Temperaturen verspricht an diesem Samstag aber eher herbstliche Gefühle am Patscherkofel.

Aber sei es drum. Mein Blick harrt längst im Bann der Flammen die sich vor mir aus einer Kupferschale auftürmen. Es knistert und unser eigenes „Sonnwendfeuer“ umschmeichelt mich und die anderen Gäste mit einer wohligen Wärme. Ursprünglich diente der Brauch als spiritueller Schutz vor Unwetter, bösen Geistern und sollte so auch für Fruchtbarkeit auf Wiesen und Feldern sorgen. Die Temperatur scheint dabei nicht gemeint zu sein. Aber ich will diesen Geist auch heute weitertragen und hoffe auf eine rosige Zukunft.

Die "Definition von Schönheit"

Viele Menschen sind heute dem Ruf der Sonnwend gefolgt und haben sich am Patscherkofel zu den diversen Feuern eingefunden. Es ist mittlerweile nach 22 Uhr und das Bild ist beeindruckend. Die Atmosphäre ist andächtig und romantisch, die Zeit scheint irgendwie still zu stehen. Ein Gast neben mir beschreibt den Moment passend. „Das ist die Definition von Schönheit.“ Recht hat er, denk ich mir. Mein Blick beäugt längst die gegenüberliegende Nordkette und die umliegenden Bergkuppen. Überall schimmert das Licht, flackern die Sonnwendfeuer vor sich hin und lassen das Inntal ungewohnt festlich wirken.

Die Kälte ist in diesem Moment längst vergessen. Dafür ist es viel zu schön. Lieber Sommer, jetzt darfst du aber kommen, die Menschen haben ihren Teil erfüllt. So wie jedes Mal um den 21. Juni.

Fotocredit: un attimo

Robert liebt das Wort und die Natur. Ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter – gerne begibt er sich gemeinsam mit Freunden in die Berge Tirols und genießt dabei die Freiheit und Unabhängigkeit. Der Patscherkofel ist sein Hausberg den er immer wieder gerne besucht.